Franz Allert, Dr. Annemarie Lang, Dr. Rainald Ehrig, Dr. Dirk Behrendt (v.l.) bei der Preisverleihung. Foto: vfa / LAGeSo / D. Laessig

12.12.2019

Charité-Wissenschaftler erhalten Forschungspreis für Tierversuchsalternativen

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Zell- und Computersimulation der Arthrose ausgezeichnet

Ein Forschungsteam der CharitéUniversitätsmedizin Berlin hat heute den Preis des Landes Berlin zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche in Forschung und Lehre erhalten. Die Forschenden wurden für ihr Projekt „Das virtuelle Gelenk“ geehrt. Mit der diesjährigen Würdigung geht der Preis bereits zum dritten Mal an die Charité.

Ausgezeichnet wurden Dr. Annemarie Lang von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie der Charité sowie Dr. Rainald Ehrig vom Julius Wolff Institut für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration der Charité und vom Zuse-Institut Berlin. Zusammen mit ihrem Team ist es ihnen gelungen, Knorpelveränderungen sowohl in der Zellkultur als auch parallel in einem Computermodell nachzubilden. Die so simulierten Vorgänge spiegeln eine beginnende Arthrose beim Menschen wider. „Bislang wird für die Grundlagenforschung zu Arthrose und auch anderen Gelenksentzündungen noch häufig auf Versuchstiere zurückgegriffen“, erklärt Dr. Lang, die auch Mitglied des Sprecherrats von Charité 3R ist. „Diese Tierversuche haben zur Entwicklung neuer Medikamente und zum Verständnis der Erkrankungen einen wichtigen Beitrag geleistet, weisen aber auch immer wieder Limitationen auf. Wir sind davon überzeugt, dass die Kombination der beiden neuen Modelle in Zukunft dazu beitragen kann, die Anzahl der Versuchstiere zu reduzieren und die Übertragbarkeit der Forschungsergebnisse auf den Menschen zu verbessern.“ Die Preisträger wollen ihre Arbeit auch über das Krankheitsbild der Arthrose hinaus nutzbar machen. „Wir werden nun daran arbeiten, in unserem Zellkultur- und Computermodell das ganze Gelenk abzubilden“, sagt Dr. Ehrig. „Das soll uns ermöglichen, neben der Arthrose auch rheumatische Gelenkentzündungen zu simulieren und neue Therapieansätze zu testen.“

Weitere Preisträger sind Dr. Johanna Berg und Prof. Dr. Jens Kurreckmit ihrem Projekt „3D-Biodruck von Organmodellen“. Die beiden prämierten Wissenschaftler arbeiten im Institut für Biotechnologie der Technischen Universität Berlin. Es ist ihnen gelungen, mit 3D Biodruckverfahren aus lebenden menschlichen Zellen Modelle für die Organe Lunge und Leber zu erstellen und sie im Labor mit Grippeviren (Lunge) und Adenoviren (Leber) zu infizieren. Die Preisträger haben damit erstmals belegt, dass solche Modelle tatsächlich einen Teil der Versuchstiere in der Infektionsforschung ersetzen könnten. Gedacht sind sie unter anderem für die angewandte Forschung für neue Medikamente gegen Viruserkrankungen. Um ihre tiersparenden Modelle schnell zu etablieren, weisen Berg und Kurreck auch zahlreiche Masterstudierende und Promovierende in die neuen Techniken ein.

Verliehen wurde die Auszeichnung von Dr. Dirk Behrendt, Senator für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, und Franz Allert, Präsident des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LAGeSo). Beide Projekte wurden zu gleichen Teilen prämiert. Initiiert und koordiniert wird der Preis des Landes Berlin zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche in Forschung und Lehre vom LAGeSo. Er ist mit insgesamt 40.000 Euro dotiert und wird seit 2011 alle zwei Jahre in Zusammenarbeit mit dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) ausgelobt. Gefördert werden Forschungsprojekte aus Berlin oder Brandenburg, die dazu beitragen, die Verwendung von Versuchstieren zu vermeiden oder zu verringern oder bei Tierversuchen die Belastung für die Tiere zu reduzieren.

Bisherige Preisträger der Charité
Bereits 2011 und 2017 wurden Projekte unter Leitung der Charité-Wissenschaftler Prof. Dr. Andreas Hocke beziehungsweise Dr. Philipp Mergenthaler und Dr. Harald Stachelscheid mit dem Forschungspreis für Tierversuchsalternativen ausgezeichnet.

Links

Vorab-Veröffentlichung der Forschungsergebnisse als Preprint-Publikation

Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie

Julius Wolff Institut für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration

Kontakt

Dr. Annemarie Lang
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie
CharitéUniversitätsmedizin Berlin  
t: +49 30 450 513 450
 



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